Textschnipsel
»Weißt du, warum die Kerzen schwarz sind?« fragte Ramona. Sie ließ ihm keine Zeit zum Antworten. »Das Wachs tropft wunderbar, und es brennt besonders intensiv auf Brustwarzen und da unten.« Mit dem Zeigefinger ihrer rechten Hand deutete sie auf seine Genitalien.
(Seite 11)
Leseproben
Ramona hielt ein kleines, daumengroßes Glasfläschchen in ihrer rechten Hand, das ebenso schwarz war wie ihre Fingernägel und ihre Kleidung. Die sehr kleine Öffnung des Fläschchens zeigte nach unten. Bei jedem Tropfen, der herauskam und auf den Boden der leeren Kaffeetasse darunter plumpste, zählte sie konzentriert und leise mit.
»…11, 12, 13, 14.« Ihre Gesichtszüge waren ernst, und die schwarz geschminkten Lippen unterstrichen diese Ernsthaftigkeit. Als sie bei 15 angekommen war, stoppte sie, drehte den Verschluss zu und stellte die Tasse unter den Kaffeeauslauf.
Anschließend schaute sie mit zusammengepressten Lippen aus dem Küchenfenster und betrachtete das Treiben auf der Straße, bevor sie zum Esstisch ging. Das Fläschchen steckte sie in die darauf liegende Handtasche und nahm Platz.
Kuppeldienste jeglicher Art, mit ihren in Zeitungen sowie anderen Medien propagierten verlockenden Kontaktangeboten, tangierten mich nicht. Zumindest bis zu meinem 18ten Lebensjahr. In meiner Jugend kam ich leicht und schnell an reizende Mädels. Auch die Stellenofferten der Branche waren mir trotz der hohen Gehaltsversprechungen egal und dafür gab es ebenfalls einen guten Grund. Den gängigen Weg hatte ich nicht nötig, um in einer Partneragentur an einen lukrativen Job zu kommen. Ich besaß Vitamin B – also B wie Beziehungen – und davon eine Überdosis. Mein Vater war Eigentümer einer renommierten, zudem einträchtigen Partnervermittlung in Deutschland, die in einigen Städten Nebenstellen betrieb. Mit seinem Beruf hatte er es zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht.
Sie sah kurz in den mobilen Scheinwerfer. Das Licht blendete sie. Reflexartig schoss ihr Kopf zur Seite zu einem glatzköpfigen Mann, der ihr mit Jeanshose und Jeansjacke gegenüberstand. Ihr Blick schweifte weiter auf die Wiese, wo sich ein weiterer Mann befand. Er lag dort regungslos.
Es war nicht zu erwarten, dass er sich noch rühren würde. Das Blut, das von seiner Schläfe über das Gesicht gelaufen war, glänzte im künstlichen Licht und hob sich deutlich von seiner dunklen Haut ab.
Sie zuckte nervös mit den Schultern, fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
»Schau ruhig genau hin, Alana«, sagte der Glatzkopf. Sein Gesicht war äußerst ernst. »Entsetzt? Du wusstest bei deiner Berufswahl, worauf du dich einlässt.«
Sie nickte, verzog dabei jedoch angewidert das Gesicht.
»Deswegen haben Sie mich angerufen und darum sollte ich sofort kommen?«, fragte sie.