Sie sah kurz in den mobilen Scheinwerfer. Das Licht blendete sie. Reflexartig schoss ihr Kopf zur Seite zu einem glatzköpfigen Mann, der ihr mit Jeanshose und Jeansjacke gegenüberstand. Ihr Blick schweifte weiter auf die Wiese, wo sich ein weiterer Mann befand. Er lag dort regungslos.
Es war nicht zu erwarten, dass er sich noch rühren würde. Das Blut, das von seiner Schläfe über das Gesicht gelaufen war, glänzte im künstlichen Licht und hob sich deutlich von seiner dunklen Haut ab.
Sie zuckte nervös mit den Schultern, fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
»Schau ruhig genau hin, Alana«, sagte der Glatzkopf. Sein Gesicht war äußerst ernst. »Entsetzt? Du wusstest bei deiner Berufswahl, worauf du dich einlässt.«
Sie nickte, verzog dabei jedoch angewidert das Gesicht.
»Deswegen haben Sie mich angerufen und darum sollte ich sofort kommen?«, fragte sie.
Er runzelte die Stirn. »Ich dachte, du lernst am besten im echten Einsatz. Wir hatten uns doch auf Du geeinigt.«
»Ja Marc«, erwiderte sie und nickte erneut.
»Dir fällt es schwer, weil ich schon Kommissar und dein Ausbilder bin«, sagte er und starrte sie an. »Tja, Alana. Nun erlebst du die Realität des Berufs von Beginn an.«
Trotz der Dunkelheit war die Luft mild. Ihr Blick wanderte über das kurzärmlige bunte T‑Shirt und die Jeans der Leiche.
Er redete weiter. »Ich habe mich nie an solche Anblicke gewöhnt.«
Er hatte eine Rolle mit einem rot-weißen, breiten Band in der Hand. “Polizeiabsperrung” war zu lesen. Das Ende band er an eine Parkbank.
»Wer war er?«, fragte sie. Ihre Stimme klang jetzt fester.
»Ich habe keine Papiere bei ihm gefunden«, entgegnete er und deutete zu einem älteren Paar, das etwas entfernt auf einer Parkbank saß. »Die beiden haben ihn heute Abend bei einem Spaziergang gefunden und dann die Polizei gerufen. Ich habe mit ihnen schon alles besprochen. Die schriftlichen Formalitäten mache ich morgen mit ihnen. Es ist fast Mitternacht.«
Er sah zum Paar und rief: »Sie können gehen. Ich rufe Sie morgen an. Wir reden dann auf dem Polizeirevier weiter.«
Die Frau antwortete mit einem »Okay«, und das Paar erhob sich.
Sie entfernten sich langsam. Der Weg, auf dem sie gingen, wurde von wenigen Laternen beleuchtet.
»Bin ich morgen auch dabei?«, fragte sie und sah dem Paar sekundenlang hinterher.
»Wahrscheinlich.«
Ein anderer Weg, schmal und sandig, führte nur wenige Meter entfernt an der Wiese vorbei. Sie ließ ihren Blick über ihn schweifen.
»Was ist das für ein Symbol im Sand? Ein Hakenkreuz?«, fragte sie und ging einen Schritt darauf zu.
Auch diese Stelle lag hell im Licht des Strahlers. Dort, im Sand, ein dicker Holzast.
Seine Arme schossen hoch. »Stop!« rief er in die ruhige Nacht. »Bleib stehen. Die Spurensicherung muss da zuerst hin.« Seine Kopfhaut glänzte leicht.
»Stimmt«, sagte sie und starrte auf das Zeichen. »Das sieht wie ein Hakenkreuz aus. Nur noch nicht ganz fertig.« Ihr Blick wanderte ein klein wenig weiter. »Und was soll die Zahl 1 daneben bedeuten?« Die 1, die sie erkannte, war grob im Sand gezeichnet.
Alana hob ihre Hand an und sah sie an. Ihre Hautfarbe war etwas heller als die des Toten – aber nicht viel. »Also ein rassistischer Mord. Man kann auch Hinrichtung dazu sagen.« Sie schloss die Augen. »Ein Schuss und genau an der richtigen Stelle, da wusste jemand, was er machte.«
»Übe dich in Geduld. Ob das Zeichen und die Zahl vom Täter oder dem Opfer gemacht wurden, wissen wir nicht«, entgegnete Marc.